Wie regional begrenzt das starke Unwetter war, dass sich am Samstag über Ramstein ergoss, sieht man auch daran, dass am Montag in der Zeitung kein Bericht darüber zu finden war.
Gleich 63 mal mussten die Wehren der Verbandsgemeinde an diesem Samstag Nachmittag ausrücken. Sie wurden durch das Technische Hilfswerk und einem Zug der Feuerwehr aus Kaiserslautern mit Material und Personal unterstützt.  

Mit unserem Bericht möchten wir Ihnen einmal einen Einblick hinter die Kulissen einer solchen Einsatzlage geben. Vielleicht können Sie dann auch besser verstehen wieso die Feuerwehr nicht in jedem Fall helfen kann.  

Geplant war für diesen Samstag eigentlich der jährliche Familientag der Feuerwehr Ramstein. Ziel der diesjährigen Wanderung war die Feuerwache in Niedermohr wo man zu einem Grillfest eingeladen war. Obwohl die Feuerwehreinheit Niedermohr die Bereitschaft für ihre Ramsteiner Kameraden übernommen hatte, konnten nicht alle mitwandern. Denn schließlich muss im Einsatzfall auch die Zentrale besetzt werden. Ein Fahrzeug des Gefahrstoffzuges war in Bereitschaft für den Landkreis Kusel. Auch hier musste Personal zurückgehalten werden. Dass diese Vorsichtsmaßnahmen nicht unbegründet waren sollte sich im Laufe des Tages noch zeigen.  

Zusätzlich war noch ein Fahrzeug beim  Benefizlauf „Hero’s für Hero’s“ am Sportgelände gebunden und einige Kameraden waren als Ausbilder oder Teilnehmer auf dem Fernmeldelehrgang in Enkenbach-Alsenborn. Sie sollten später noch Alle nach Niedermohr kommen. 

So machte sich der Rest der Truppe auf zur Wanderung nach Niedermohr. Unterwegs konnte man schon sehen und hören dass sich da etwas zusammen braut. Kurz vor Niedermohr dann die ersten Schauer und die Nachricht dass es in Ramstein stark regnen würde. So war es auch nicht verwunderlich als beim Eintreffen an der Feuerwache in Niedermohr der erste Alarm auflief. „Keller unter Wasser“ meldetet die integrierte Leitstelle aus Kaiserslautern. Die Feuerwehr Niedermohr rückte aus.  

Auch die Ramsteiner Wehrleute wurden an die Feuerwache nach Ramstein gefahren. Auf der Anfahrt über Katzenbach konnte man die ganze Aufregung noch nicht greifen. Die Straßen waren trocken. Das änderte sich schlagartig als Höhe Wasserturm  weitere Alarmierungen auf den Funkmeldeemfängern aufliefen und dort das Wasser in breiten Strömen Richtung Ramstein lief. Ramstein war am absaufen. 

Die ersten Rückmeldungen der ausgerückten Fahrzeuge ließen nichts Gutes erahnen. Die Mannschaft in der Einsatzzentrale hatte alle Hände voll zu tun. Zudem hatte ein Blitz in die Kommunikationsanlage eingeschlagen. Die Alarmmeldungen konnten kurzzeitig nur über Funk, und nicht wie sonst üblich per Fax, entgegengenommen werden.  

Die Einsatzaufgaben wurden dann in der Reihenfolge ihres Eintreffens an die ausgerückten Fahrzeuge verteilt. Nur in begründeten Notfällen wurde eine Meldung vorrangig behandelt. So zum Beispiel die Meldung dass eine alte Frau in ihrer Kellerwohnung eingeschlossen sei und das Wasser dort steigen würde. 

Von der Bahnhofstraße, wo das Wasser bis zu den Oberschenkeln der Einsatzkräfte reichte, wurde weitere Hilfe angefordert. „Lasst Euch was einfallen“ so die Anforderung an die Einsatzzentrale. Das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr Kaiserslautern mit einem Abrollbehälter voll mit Schmutzwasserpumpen wurden daraufhin alarmiert. 

Bei diesen Naturgewalten ist dann auch die Feuerwehr machtlos. Hier zählt es dann die Menschen zu schützen indem man zum Beispiel Gebäude stromlos schalten lässt um die Gefahr eines Stromschlages für die Bewohner auszuschließen. Dafür steht uns auch auf einem Fahrzeug ein Messgerät zur Spannungsprüfung zur Verfügung. Bei dieser Anzahl von Einsatzaufträgen ist jedoch für die Einsatzkräfte zuerst einmal oberste Vorsicht geboten.  

Zu alle dem brannte zur gleichen Zeit im Landkreis Kusel eine Farbenfabrik zu der nun noch das Kreisfahrzeug aus Ramstein zur Ausgabe von Atemschutzgeräten angefordert wurde. Die Mannschaften wurden durchgetauscht das Fahrzeug machte sich auf in Richtung Kusel. 

In der Zentrale liefen immer noch Notrufe ein, die von Bürgern über die 112 an die Leitstelle nach Kaiserslautern abgesetzt wurden und dann per Funk nach Ramstein übermittelt wurden. Die Listen wurden immer länger. Einige Einsätze konnten als erledigt abgehakt werden, neu kamen hinzu. Wo ist welches Fahrzeug? Welche Einsatzstellen sind abgearbeitet? Es galt den Überblick zu behalten. Parallel dazu wurde fieberhaft an der beschädigten Kommunikationsanlage gearbeitet. Gut, dass auch hier Vorkehrungen getroffen sind und man immer Ausweichmöglichkeiten vorhält. 

Leider konnte die Feuerwehr nicht überall Hilfe leisten wo sie eintraf. Nicht überall konnten die Pumpen eingesetzt werden.  Dazu muss man wissen, dass die Tauchpumpen das Wasser nur bis ca. acht cm absaugen können. Dann ist Eigeninitiative durch die Betroffenen gefordert. Ein Schacht von dreißig mal dreißig cm am tiefsten Punkt des Kellers könnte hier Abhilfe schaffen. Dort könnte man die Pumpe reinstellen und dann den kompletten Keller leerpumpen – nur wer hat den schon?  

Schön war auch zu sehen, dass nicht immer die Feuerwehr zum Zuge kommen musste, sondern dass hilfsbereite Nachbarn mit Hand anlegten.  

Nicht nur die Erklärungen der Feuerwehr stießen bei einigen Mitbürgern auf Unverständnis was teilweise auch lautstark zum Ausdruck gebracht wurde. Umgekehrt musste auch so mancher Feuerwehrmann den Kopf schütteln, wenn von ihm gefordert wurde den Keller durchzuwischen. Das ist nicht die Aufgabe der Feuerwehr! 

Doch nicht nur Keller waren auszupumpen. Es musste auch eine Türöffnung vorgenommen werden. Ein Mieter, der sich zu der Zeit nicht im Ort befand,  hatte von der Wetterlage erfahren und mitgeteilt dass seine Dachfenster nicht verschlossen wären. Hier wurde die Tür geöffnet und die Fenster verschlossen. Ein größerer Schaden konnte verhindert werden. 

Gegen Abend, die meisten Keller waren leergepumpt, das Kreisfahrzeug war aus Kusel zurück, und in der Einsatzzentrale wurden die Einsatzberichte erfasst, da machte sich dann doch der Eine oder Andere aus den Reihen der Feuerwehr so seine Gedanken. Wie sieht das bei mir zu Hause jetzt wohl aus? Habe ich auch einen Keller voll Wasser? Dies war glücklicherweise bei den Wenigsten der Fall. Aber so ist das nun mal bei der Feuerwehr – zuerst bekommen die Anderen geholfen - so gut es eben geht. 

Am späten Abend machte man sich dann doch noch gemeinsam auf zu der Feuerwache nach Niedermohr wo die Feuerwehrleute ihren Familientag, dann ohne die Familienangehörigen, ausklingen ließen. Doch in der Ferne kündigte sich das nächste Gewitter bereits mit Blitzen und Donner an.  

 

Nachtrag: Am Sonntag kam dann nur noch ein weiterer Einsatz dazu. Am Montag wurde Ramstein von einer Windhose heimgesucht. Einige Dächer wurden in Mitleidenschaft gezogen und an der Feuerwache hielt ein Baum dem Sturm nicht  stand. Dann erwischte es Kaiserslautern. Landunter. Dort waren wir, wie viele andere Feuerwehren aus dem Landkreis auch, mit zwei Fahrzeugen im Einsatz.